Die Tunisreise – Aus dem Tagebuch von Paul Klee
Im April 1914 sind Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet von Lyon über Marseille nach Tunis, Sidi Bou Said, Hammamet und Kairouan gereist. Paul Klee führte ein Tagebuch in Wort und Bild. Diese Reise in ein fernes Licht und exotische Farben wurde zu einem Markstein der modernen Malerei.
Der tunesische Filmemacher Nacer Khemir unternimmt, fast hundert Jahre später, die gleiche Reise noch einmal. Regisseur Bruno Moll begleitet ihn dabei. Nacer Khemir betrachtet die Kultur und Geschichte seines Landes und den Einfluss, den die Tunisreise auf Klee und Macke und somit auf die europäische Kultur hatte.
Khemir zeigt Formen und Farben, Licht und Schatten des Landes, die Paul Klee fasziniert und inspiriert hatten. Dabei denkt der Filmemacher auch über die Beziehungen zwischen Okzident und Orient nach.
Der Film DIE TUNISREISE zeigt eine Verbindung zwischen den Lebenswegen des tunesischen Künstlers und seines europäischen Kollegen. Er verschweigt auch nicht das Trennende.
Dieser Film ist nur in Deutschland, Österreich und in der Schweiz verfügbar.
Filminformation
Originaltitel: Die Tunisreise – Aus dem Tagebuch von Paul Klee
Sprachfassung:
Französisch-arabische Originalfassung mit englischen UT, Französisch-arabisce Originalfassung mit französischen UT
Produktionsland: Schweiz, Österreich
Jahr: 2008
Länge: 75 Min.
Farbe, s/w
Regie: Bruno Moll
Drehbuch: Bruno Moll, Nacer Khemir
Kamera: Matthias Kälin
Schnitt: Anja Bombelli
Ton: Martin Witz
Tonmischung: Werner Grasmugg, Audiokraftwerk
Darsteller/Mitwirkende: Nacer Khemir
Produktion: Fama Film AG, Primsa Film- und Fernsehproduktion GmbH, Schweizer Fernsehen, ORF, Albertina Wien, Rolf Schmid, Mathias Forberg, Regula Begert
erzählt von: Christoph Betulius, Venus Madrid
Filmausschnitte aus: “Les Baliseurs du désert”, “Le collier perdu de la colombe, “Bab'Aziz”
gefördert durch: Bundesamt für Kultur, EDI, Sektion Film; Berner Filmförderung; sokultur, Lotteriefonds Kanton Solothurn; Teleproduktionsfonds; Succés passage antenne
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Zum Inhalt
Licht und Farben
Die knapp dreiwöchige Reise, welche die drei Malerfreunde Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet auf Einladung des Berner Arztes Ernst Jäggi im April 1914 unternommen haben, ist zu einem kunsthistorischen Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts geworden. Die Aura des Fremden, das Licht und die Farben, veränderten alles. Klee schrieb in sein Tagebuch: «Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht mehr nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiss das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.» Angesichts der Fülle der Farben und der Intensität des natürlichen Lichts der nordafrikanischen Landschaft gelangen Klee Aquarelle von eindrücklicher Klarheit und Leuchtkraft. Der Zeichner Klee sah in den Tunisaquarellen seinen «Durchbruch» zur Farbe.
Tunesien
Während des knapp zweiwöchigen Aufenthalts in Tunesien malte Klee etwa 30 Aquarelle. Der Künstler beschäftigte sich nach seiner Rückkehr jedoch weiter mit dem Thema, so dass die Anzahl der auf Tunesien verweisenden Arbeiten wesentlich höher liegt. So hat Klee am Blatt «Teppich der Erinnerung» nachweislich bis ins Jahr 1921 gearbeitet. Charakteristisch für die Komposition der Tunis-Aquarelle ist die lockere Aufteilung der Bildfläche in geometrische, aber nicht schematisch wirkende transparente Farbfelder. Die Skala erstreckt sich über den Bereich der Primär- und Sekundärfarben. Deren Leuchtkraft beruht vor allem auf der Wirkung von Komplementärkontrasten (rot-grün, blau-orange, gelb-violett), die Klee nuanciert einsetzte.
Konstruktion und Abstraktion
Anhand der Aquarelle aus den Jahren 1914/1915 lässt sich der zunehmende Grad an Konstruktion und Abstraktion im Verlaufe der Tunisreise nachvollziehen. Noch zu Beginn hatte Klee selbstkritisch geschrieben: «Sofort ans Werk gegangen und im Araberviertel Aquarelle gemalt. Die Synthese Städtebauarchitektur - Bildarchitektur in Angriff genommen. Noch nicht rein, aber ganz reizvoll, etwas viel Reisestimmung und Reisebegeisterung dabei, eben das Ich. Das wird später schon noch sachlicher werden, wenn der schöne Rausch etwas verrauchen wird.»
Einen lebhaften Eindruck von der Reise der drei Malerkollegen vermitteln Klees Aufzeichnungen in den Tagebüchern, die in ihrer Mischung aus anekdotischer Erzählung, stimmungsvollen Schilderungen und poetischer Vertiefung den Charakter einer künstlerischen Selbstdarstellung haben.


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